„Black is Back“: Der Festival-Trailer 2022

 

Der offizielle Trailer des 29. Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS, 03. bis 08. Mai 2022) heißt „Black is Back“ und wurde von François Chalet erschaffen. Der Schweizer unterrichtet an der Hochschule Luzern Storytelling und Expanded Animation und arbeitet als Visual Artist in den Bereichen Illustration, Animation, Installation und Performance sowie an plattformübergreifenden Projekten.

Für den Sound ist Michael Fakesch verantwortlich. Der Music Producer, Sound Designer, DJ, Dozent und Filmmusikkomponist war einer der beiden Gründer und Mitglieder des Electro-Duos Funkstörung und hat bereits für Björk, Wu-Tang Clan, Jean-Michel Jarre, Notwist und Nicolas Winding Refn gearbeitet.

Wir veröffentlichen außerdem regelmäßig ein neues Snippet aus dem Trailer.

INTERVIEW MIT FRANCOIS CHALET

 

Wie lange kennst du schon das ITFS und wie bist du mit dem Festival verbunden?

Ich kenne das Festival seit etwa zehn Jahren. Es ist das wichtigste Festival in Europa zusammen mit Annecy, und so komme ich regelmäßig, um die neuesten Filme zu schauen und verzaubert wieder in die Schweiz zurück zu gehen.

Du warst ja schon häufig beim ITFS zu Gast! Wie nimmst du das Festival wahr?

Im Gegensatz zum Animationsfestival Fantoche in der Schweiz in Baden, wo eine familiäre Stimmung herrscht, erscheint mir das ITFS eher groß und weitläufig. Man kann gut in den Menschenmassen unter- und woanders wiederauftauchen. Im Café le Théatre trifft man sich dann mit dem harten Kern der Animationsbranche. Der Schlossplatz ist ideal, um auch mal die Sterne am Himmel beobachten zu können und die Augen fallen zu lassen.

Wie bist du auf die Idee zu dem Trailer gekommen?

Ich hatte für die Vorbereitung zu meinem Unterricht an der Hochschule Luzern die zwölf Prinzipien der Animation revidiert und musste wieder einmal feststellen, wie wenig ich sie eigentlich beherrsche. So dachte ich, wäre es sinnvoll, wieder einmal das Augenmerk auf die Grundlagen der Animation zu lenken. Beim Trailer geht es um den „Bouncing Ball“, „Squash and Stretch“, „Exaggeration“, „Expressions“, Scheitern, Reduktion und Grundformen, natürlich „à la sauce“ Chalet. Auch wollte ich unbedingt einen Moment lang das Abtauchen in eine andere Welt und das Vergessen unseres Alltags thematisieren: Das Licht im Film geht plötzlich an und der Saal wird durch die Umkehrung des Bildes augenblicklich erleuchtet. Wir sehen unseren Nachbarn im Kino neben uns sitzen, und wollen möglichst schnell wieder in die Magie der Animation eintauchen. Michael Fakesch habe ich als Avatar im virtuellen Club des ITFS vor einem Jahr vor seinem DJ Auftritt angesprochen und ihn gefragt, ob er Lust hätte die Musik dazu entwickeln.

Der Trailer ist sehr reduziert und auch der Einsatz von Farbe ist auf ein Minimum reduziert. Welche Absicht und Aussage stehen dahinter?

Meine ganze Arbeit basiert auf Reduktion. Ich gehe immer von den Grundformen aus und bin überzeugt, dass man mit wenig viel erzählen kann, so wie man mit viel wenig erzählen kann. Zur nicht gestellten Frage, wieso 2D statt 3D, antworte ich, dass etwas nicht unbedingt mehr Tiefe hat, wenn es dreidimensional ist. Im Trailer versuche ich Raum frei zu lassen, damit das Publikum ihn mit seinen Erfahrungen und Geschichten füllen kann. Ein Trailer soll ja auch auffallen. Die Ausgangslage ist eine Zeit, wo alles übermäßig bunt und überladen ist. Mein Vorschlag ist schwarzweiß und wenig Striche. Back is black ist auch eine Ode an das Kino, das wir endlich wieder zurück haben nach dem Pandemie Jahr 2020.

Was oder wer hat dich beeinflusst?

Schweizer Grafik, Grapus, Norman McLaren, Michel Gondry, Mathematik, Dick und Doof, Scacciapensieri, Lotte Reiniger, Felix Valloton, Tom und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig, Michael Fakesch, Bauhaus, Pierre Soulages, Mummenschanz, La Linea, Yukimasa Okumura, Illustrator, CC Animate, Lovely die Kuh (Milchwerbung Swissmilk), Roman Signer, Hans Richter, Emil Cohl, Louis de Funés, Monty Python, Gaston Lagaffe, Oskar Fischinger, Roman Cieslewicz, Henryk Tomaszewski, Winsor McCay und viele mehr.

INTERVIEW MIT MICHAEL FAKESCH

 

Wie lange kennst du schon das ITFS und wie bist du mit dem Festival verbunden?

Ich bin gar nicht sicher, aber ich glaube, ich kenne das Festival und vor allem den Leiter Uli Wegenast seit wahrscheinlich über 20 Jahren. Uli war ein großer Supporter meiner damaligen Band Funkstörung und ist mir – auch bei der Auflösung von Funkstörung – immer freundschaftlich verbunden geblieben.

Deine Musik prägt ja seit Jahren die Imagetrailer des ITFS. Inwiefern hat das ITFS dich geprägt?

Das ITFS hat mir tatsächlich ein bisschen die Augen geöffnet, dass es abseits von Disney und Hochglanz-Werbefilm-Animationen viele großartige Sachen gibt. Die ITFS-Beiträge sind teilweise wirklich unglaublich kreativ und inspirieren mich durchaus auch für meine eigenen Arbeiten. Da mein Hauptjob mittlerweile die Vertonung von Werbefilmen ist, habe ich von den ITFS-Filmen lernen können, wie man in kurzer Zeit Stories erzählt und wie man diese mit einfachsten Mitteln umsetzen kann … das ist natürlich etwas, was ich in meinen Kompositionen und Sounddesigns auch sehr gut gebrauchen kann.

Du hast ja bereits häufig mit dem ITFS zusammengearbeitet und auch der Atmo-Trailer des Festivals wurde von dir aus einem deiner eigenen Songs entwickelt („Give It To Me“). Hast du in deiner Arbeit einen besonderen Bezug zur Animation?

Ich habe mittlerweile für mehrere hundert Animationen die Musik bzw. das Sounddesign gemacht und könnte mir auch keinen cooleren Job vorstellen. Manchmal träume ich sogar von Sound und jedes Mal, wenn ich eine Animation sehe, habe ich bereits den ‚richtigen‘ Sound im Kopf. Ich kann es mir übrigens auch null vorstellen, wie man sich Animationen ohne Ton ansehen kann. Ich finde, erst durch Sound werden Animationen lebendig, erst durch Musik werden Animationen emotional.

Was war dein erstes Empfinden, als du die Trailer von François Chalet gesehen hast? Hast du sofort gewusst, welche Musik dazu passt?

Mein erstes Empfinden war: ‚Oh yeah!‘ 😉 Eigentlich war ziemlich schnell klar, welche Musik bzw. welches Sounddesign es werden soll. Ich habe zwar am Anfang noch einen Ansatz probiert, der viel Comical-mäßiger war, aber irgendwie hatten François und ich das Gefühl, wir müssen’s noch edgier machen und dem Kindlich-Naiven der Visuals mit einem sehr experimentellen Sounddesign entgegenwirken.

Wie bist du vorgegangen, als du den Soundtrack zum Trailer erstellt hast?

Ich habe ja jetzt fast 20 Jahre Erfahrung in der Vertonung von Visuals und da gibt es natürlich mittlerweile schon so eine Routine. Am Anfang probiere ich immer viele verschiedene Sachen aus, natürlich auch alte Kompositionen oder Soundexperimente. So kann ich sehr schnell erkennen, was gut passen könnte und von dort arbeite ich mich dann Schritt für Schritt durch die Komposition, wobei ‚arbeiten‘ in meinem Fall nicht der richtige Ausdruck ist, eher ’spielen‘ 😉

Kanntest du die Visuals von François Chalet bereits? Wie kam es zur Kooperation?

Obwohl François bereits vor 20 Jahren ein Musikvideo für unsere Band Funkstörung gemacht hat, habe ich François leider nie persönlich getroffen. Deshalb hat es mich umso mehr gefreut, dass wir nach 20 Jahren wieder zusammenarbeiten konnten und uns – wenn auch nur virtuell – endlich mal kennengelernt haben.
Ich bin großer Fan von François… er hat einen großartigen Stil, viel Humor, ist unglaublich kreativ und außerdem einfach ein sehr netter Kerl. Fühlt sich gut an, dass sich unser Kreis nach 20 Jahren schließt, obwohl ’schließt‘ so nach Abschluss klingt … hoffe, wir können noch viel zusammen machen.

Playlist

Teaser 1

Teaser 2

Teaser 3

Teaser 4

Teaser 5

Teaser 6