Das Schaufenster in die Welt der Animation
Am Dienstagabend, den 6. Mai 2025 wurde die 32. Ausgabe des Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS), Deutschlands größtem Animationsfilmfestival, feierlich im Gloria 1 eröffnet. Beim Festival Opening begrüßte das Geschäftsführerinnen-Duo Heike Mozer und Annegret Richter gemeinsam mit Kulturstaatssekretär Arne Braun (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst), Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper und Michael Kaiser, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS), das Publikum im ausverkauften Kinosaal. Dabei wurde eins deutlich: Filmfestivals sind heute mehr denn je unverzichtbare Orte des interkulturellen Austauschs und der kreativen Inspiration.
Schon am Vorabend, Montag, 5. Mai, wurde beim Landesempfang im Weißen Saal des Neuen Schlosses die Stuttgart Animated Week eröffnet. Mit den drei zentralen und parallel stattfindenden Veranstaltungen ITFS, Animation Production Days und FMX – Film & Media Exchange, wird die gesamte Bandbreite der Animation gezeigt. Die Kombination aus Filmfestival, Markt und Konferenz bietet eine einmalige Plattform für Animationsprojekte aus aller Welt.
Arne Braun, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst betonte: „Ich glaube, dass die Kreativwirtschaft eine Schlüsselrolle für die Zukunft unserer Region spielt. Denn hier entstehen neue Denkweisen, immer wieder bringen Kreative neue Ideen hervor. Und hier entstehen neue Arbeitsplätze. Das gilt insbesondere für den Bereich Animated Media“.
Er verwies darauf, dass sich die Zahl der VFX- und Animationsunternehmen in Baden-Württemberg seit 2010 fast verdreifacht und der Umsatz sich verachtfacht hat und ergänzt: „Die Stuttgart Animated Week mit dem Internationalen Trickfilm-Festival, der FMX-Konferenz und den Animation Production Days ist dabei unser Schaufenster in die Welt. Und gleichzeitig ein Magnet für Talente, Visionäre und internationale Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen. Animation, VFX, Games – das ist längst nicht mehr nur Unterhaltung.“
Neuerungen und Schwerpunkte
Rund 500 Lang- und Kurzfilme im Programm, Making ofs, Master Classes und Studiopräsentationen sowie ein neuer Professional Afternoon für die Branche und Angebote zum Networken machen das ITFS zum Magnet der internationalen Animationsindustrie. Für das Publikum, das sich neben dem Filmprogramm aktiv selbst ausprobieren möchte, bietet die Activity Area auf dem Schlossplatz ein Mitmachprogramm – von Aktionstagen zum Thema Demokratie und Grenzen, über Zeichen- und Trickfilm-Workshops bis hin zu Ausstellungen.
Zusätzlich zu bewährten und etablierten Programmen und Wettbewerben setzt das Team 2025 neue Ideen um, die für die Gäste sichtbar werden. So werden die Preise in den Wettbewerben dieses Jahr schon am Samstagabend, 10. Mai, vergeben.
„Mit der Verlegung der großen Preisverleihung auf den Samstagabend schaffen wir eine neue Dynamik für das Festival – davon profitieren alle Gäste, weil wir tags darauf die Preisträgerfilme zeigen können. Mit einem bunten Familienprogramm wird der Sonntag dann zum Publikumstag“, so Heike Mozer, Kaufmännische Geschäftsführerin des ITFS.
Der AniMovie-Wettbewerb präsentiert in diesem Jahr sechs herausragende internationale Animations-Langfilme, die sich durch besondere erzählerische und gestalterische Qualität auszeichnen. Darunter ist mit MEMORY HOTEL von Heinrich Sabl auch ein deutscher Beitrag vertreten – ein vielschichtiges Werk, an dem der Regisseur über 25 Jahre gearbeitet hat. Der AniMovie-Award ist mit 3.000 Euro dotiert und wird in diesem Jahr vom SWR (Südwestrundfunk) gestiftet.
„Der AniMovie-Wettbewerb zeigt, wie vielfältig und künstlerisch anspruchsvoll animierte Langfilme heute sind. Es freut uns, dass auch ein deutscher Beitrag im Rennen ist und der SWR als Stifter den Feature Film würdigt. Ein wichtiges und richtiges Zeichen für die Branche“, betont Annegret Richter, Künstlerische Geschäftsführerin des ITFS.
Das diesjährige Gastland ist gleichzeitig ein deutscher Nachbar: die Schweiz. Sie präsentiert sich mit herausragenden Filmen, Projekten und Insights sowie einer großen Delegation beim ITFS und den APDs. Eine kostenlose Ausstellung im Festival Centre mit den Sets und Puppen aus dem Schweizer Film SAUVAGES baut eine Brücke zu unserem diesjährigen filmischen Fokus Stop Motion.
Annegret Richter dazu: „Wir sehen in diesem Jahr sowohl in den Wettbewerben als auch in anderen filmischen Formaten sehr viel häufiger Stop-Trick- und Puppenanimation. Die Liebe zum Gestalten und haptischen Animieren, aber auch die Langsamkeit und Geduld, die damit verbunden sind, machen diese Technik gerade jetzt so spannend, da sie der hektischen und digitalen Welt und dem Hype um KI gegenübersteht.“
Im Anschluss an das Festival Opening lief der erste Block der International Competition (IC) „Where We Come From“ auf der großen Leinwand: Sieben animierte Kurzfilme mit verschiedenen Animationstechniken handeln von politischen Veränderungen, privaten Entscheidungen oder von seltenen Blickwinkeln. Darunter: der mehrfach ausgezeichnete Animationskünstler Richard Reeves, der eine sehr alte Technik verwendet, indem er direkt auf Film zeichnet. Für seinen experimentellen Kurzfilm FUSION (Kanada) wurden weder Kamera noch Musikinstrumente verwendet. Oder THE WILD-TEMPERED CLAVIER von Anna Samo (Deutschland), die ihre Geschichte – als Hommage auf diese Technik, direkt auf 35-mm-Filmrollen zu zeichnen – auf Toilettenpapierrollen malt. Ein Stop-Motion-Film mit gesellschaftspolitischen Bezügen – zur Pandemie und zum Krieg, der jetzt unseren Alltag beeinflusst.
Foto: Reiner Pfisterer